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Arztpraxis Telefon besetzt: Warum Patienten nicht durchkommen

Agentino Team

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Das Wichtigste in Kürze

  • Eine durchschnittliche Hausarztpraxis erhält 100 bis 200 Anrufe pro Tag, konzentriert auf die ersten zwei Stunden. 40 Prozent aller Anrufe betreffen Terminvereinbarungen – die online abgebildet werden könnten. Der MFA-Mangel verschärft die Situation: Oft steht nur eine MFA für 100+ Anrufe zur Verfügung. KI-Telefonassistenten können das Telefonaufkommen um bis zu 60 Prozent reduzieren.

Ein deutschlandweites Problem: Das Praxistelefon ist besetzt

Wer schon einmal versucht hat, morgens bei seinem Hausarzt anzurufen, kennt das Problem: Besetzt. Besetzt. Besetzt. Minutenlang. Manche Patienten berichten, dass sie 20 bis 30 Mal wählen müssen, bevor sie durchkommen. Andere geben nach dem fünften Versuch auf und rufen eine andere Praxis an – oder gehen gar nicht zum Arzt.

Das Problem ist kein Einzelfall. Eine Studie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zeigt: In jeder dritten Arztpraxis in Deutschland beklagen Patienten regelmäßig Schwierigkeiten, telefonisch durchzukommen. Besonders betroffen sind Hausarztpraxen und Fachärzte mit hohem Patientenaufkommen wie Orthopäden, Gynäkologen und HNO-Ärzte.

Warum ist das Praxistelefon ständig besetzt?

Enormes Anrufvolumen in kurzer Zeit

Eine durchschnittliche Hausarztpraxis mit 800 bis 1.200 Scheinen pro Quartal erhält 100 bis 200 Anrufe pro Tag. Davon konzentrieren sich bis zu 60 Prozent auf die ersten zwei Stunden nach Praxisöffnung:

  • Terminvereinbarung: ca. 40 Prozent aller Anrufe
  • Rezeptbestellungen: ca. 20 Prozent
  • Befundnachfragen: ca. 15 Prozent
  • Überweisungen und Bescheinigungen: ca. 10 Prozent
  • Akute Beschwerden: ca. 10 Prozent
  • Sonstiges: ca. 5 Prozent

Wenn zwischen 8:00 und 10:00 Uhr 60 bis 120 Anrufe eingehen und die Praxis zwei Telefonleitungen hat, ist klar: Das System ist strukturell überlastet. Selbst mit zwei MFA am Telefon lassen sich nicht 60 Anrufe pro Stunde bewältigen, wenn jedes Gespräch im Schnitt 2 bis 3 Minuten dauert.

MFA-Mangel verschärft die Lage

Der Fachkräftemangel bei Medizinischen Fachangestellten (MFA) ist akut. Laut Bundesagentur für Arbeit gehört die MFA zu den Top-10-Mangelberufen in Deutschland. Viele Praxen können offene Stellen monatelang nicht besetzen – und die verbleibenden MFA müssen Telefon, Empfang, Labor, Assistenz und Verwaltung gleichzeitig bewältigen.

In einer Praxis mit drei MFA sieht die Realität oft so aus:

  • MFA 1: Am Empfang, nimmt Patienten an und ab, gibt Rezepte aus
  • MFA 2: Im Behandlungszimmer, assistiert dem Arzt
  • MFA 3: Am Telefon – allein für 100+ Anrufe pro Tag

Wenn MFA 3 krank ist oder Urlaub hat, bleibt das Telefon zwischen den Patientenkontakten an der Anmeldung liegen – und klingelt meist ins Leere.

Veraltete Telefoninfrastruktur

Viele Arztpraxen nutzen noch analoge Telefonanlagen mit einer oder zwei Leitungen. Wenn beide Leitungen belegt sind, hört der nächste Anrufer nur das Besetztzeichen – keine Warteschleife, keine Information, keine Alternative. Selbst Praxen mit modernen VoIP-Anlagen haben oft keine Warteschlangenfunktion oder nutzen sie nicht optimal.

Die Folgen für Patienten und Praxis

Patientenseite: Frust und Versorgungslücken

Für Patienten hat die Nichterreichbarkeit konkrete Folgen:

  • Verzögerte Behandlung: Wer nicht durchkommt, verschiebt den Arztbesuch – manchmal mit gesundheitlichen Konsequenzen
  • Unnötige Notaufnahme-Besuche: Manche Patienten gehen direkt in die Notaufnahme, weil sie keinen zeitnahen Termin bekommen
  • Praxiswechsel: Frustrierte Patienten suchen sich eine besser erreichbare Praxis
  • Emotionale Belastung: Kranke Menschen, die 15 Minuten lang eine besetzte Leitung anrufen, empfinden das als respektlos

Praxisseite: Umsatzverlust und Mitarbeiter-Burnout

Auch für die Praxis hat das ständig besetzte Telefon negative Auswirkungen:

  • Verlorene Privatpatienten: Privatpatienten, die nicht durchkommen, wechseln besonders schnell die Praxis
  • Überfüllter Empfang: Patienten, die telefonisch nicht durchkommen, kommen persönlich vorbei – das belastet den Empfang zusätzlich
  • MFA-Fluktuation: Das permanente Telefonklingeln bei gleichzeitigem Patientenkontakt ist einer der Hauptgründe für Burnout bei MFA
  • Schlechte Online-Bewertungen: „Telefonisch nie erreichbar” ist der mit Abstand häufigste Kritikpunkt auf Google und Jameda

Lösungsansätze: Vom Quick Fix zur nachhaltigen Lösung

Kurzfristig: Online-Terminbuchung einführen

Der schnellste Weg, das Telefonaufkommen zu reduzieren, ist eine Online-Terminbuchung. Systeme wie Doctolib, Samedi oder Dr. Flex ermöglichen Patienten, Termine rund um die Uhr online zu buchen. In Praxen, die Online-Terminbuchung anbieten, sinkt das Telefonaufkommen um 20 bis 35 Prozent.

Allerdings: Nicht alle Patienten können oder wollen online buchen. Ältere Patienten, Menschen mit geringer Digitalkompetenz und akut Erkrankte greifen weiterhin zum Telefon.

Mittelfristig: Digitale Rezeptbestellung und Bescheinigungen

20 Prozent aller Anrufe betreffen Rezeptbestellungen – ein Vorgang, der telefonisch 2 Minuten dauert, aber digital in Sekunden erledigt wäre. Immer mehr Praxen bieten die Rezeptbestellung per:

  • Online-Formular auf der Praxis-Website
  • E-Mail (mit standardisiertem Betreff)
  • Praxis-App wie TeleClinic oder Ihr.digital

Damit fallen täglich 20 bis 40 Anrufe weg – und die MFA hat mehr Zeit für die verbleibenden Gespräche.

Nachhaltig: KI-Telefonassistent für die Arztpraxis

Die nachhaltigste Lösung ist ein KI-Telefonassistent, der das Praxistelefon entlastet, ohne die persönliche Betreuung zu opfern. Agentino für Arztpraxen übernimmt Anrufe, wenn die MFA nicht abnehmen kann, und erledigt die häufigsten Anliegen automatisch:

  • Terminvereinbarung: Der Assistent vergibt Termine direkt aus dem Praxiskalender
  • Rezeptbestellungen: Strukturierte Aufnahme von Medikament, Dosierung und Patientendaten
  • Befundnachfragen: Information, dass der Befund vorliegt und die Praxis zurückruft
  • Akute Anliegen: Sofortige Weiterleitung an die Praxis bei dringenden Symptomen

Das Ergebnis: Patienten kommen sofort durch, die MFA wird entlastet und die Praxis verliert keine Patienten mehr an die Konkurrenz. Und das ab 59 Euro im Monat – weniger als eine Stunde MFA-Gehalt.

Fazit: Das Besetztzeichen muss weg

Das dauerhaft besetzte Praxistelefon ist kein unvermeidbares Schicksal – es ist ein lösbares organisatorisches Problem. Die Kombination aus Online-Terminbuchung, digitaler Rezeptbestellung und einem KI-Telefonassistenten kann das Telefonaufkommen um bis zu 60 Prozent reduzieren und die verbleibenden Anrufe zuverlässig bearbeiten.

Patienten verdienen es, ihre Arztpraxis erreichen zu können. MFA verdienen es, nicht unter permanentem Telefonstress zu arbeiten. Und Ärzte verdienen es, keine Patienten zu verlieren, nur weil das Telefon besetzt ist. Die Technologie dafür existiert – sie muss nur eingesetzt werden.

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Themen

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