Das Wichtigste in Kürze
- Ausbildereignungsprüfung (AEVO) ist Pflicht – Meister sind befreit, alle anderen brauchen den AdA-Schein
- Ausbildungsvergütung variiert stark nach Gewerk – gesetzliches Minimum plus Tarifvertrag beachten
- Azubi-Recruiting erfordert aktives Werben: Social Media, Praktika und Schulkooperationen sind die effektivsten Kanäle
- Generation Z erwartet Wertschätzung, Sinn und Work-Life-Balance – das schließt gute Ausbildung nicht aus
- Fördermöglichkeiten nutzen: Einstiegsqualifizierung, ausbildungsbegleitende Hilfen und Ausbildungsprämien
- Früh Übernahme-Perspektiven aufzeigen – sonst verlierst du deinen Azubi an die Konkurrenz
Warum jeder Handwerksbetrieb über Ausbildung nachdenken sollte
Der Fachkräftemangel im Handwerk ist kein abstraktes Problem – er trifft dich ganz konkret. Du bekommst keine Gesellen mehr, die Bewerber werden weniger, und die Löhne steigen. In München, Hamburg, im Ruhrgebiet, in Sachsen – überall das gleiche Bild.
Die nachhaltigste Lösung? Selbst ausbilden. Wer Azubis ausbildet, formt seine zukünftigen Fachkräfte selbst. Du gibst dein Wissen weiter, sicherst die Zukunft deines Betriebs und bekommst schon während der Ausbildung produktive Unterstützung.
Aber: Ausbilden ist nicht trivial. Es gibt rechtliche Voraussetzungen, Pflichten und organisatorische Herausforderungen. Dieser Leitfaden zeigt dir Schritt für Schritt, wie du als Handwerksbetrieb zum Ausbildungsbetrieb wirst – und wie du Azubis findest, bindest und erfolgreich durch die Ausbildung führst.
Voraussetzungen: Was du brauchst, um ausbilden zu dürfen
Nicht jeder Betrieb darf einfach ausbilden. Es gibt klare gesetzliche Voraussetzungen.
1. Eignung des Betriebs
Dein Betrieb muss in der Lage sein, die im Ausbildungsrahmenplan vorgesehenen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln. Das bedeutet:
- Du brauchst die fachliche Ausstattung – Werkzeug, Maschinen, Materialien, die dem aktuellen Stand der Technik entsprechen
- Du musst alle Ausbildungsinhalte des jeweiligen Berufs abdecken können – oder fehlende Inhalte durch Verbundausbildung (Kooperation mit anderen Betrieben) ergänzen
- Du brauchst genug Auftragsvolumen, um den Azubi sinnvoll zu beschäftigen
Die zuständige Handwerkskammer prüft die Eignung deines Betriebs – in der Regel durch einen Ausbildungsberater, der dich vor Ort besucht.
2. Persönliche Eignung des Ausbilders
Der Ausbilder – das bist in vielen kleinen Betrieben du selbst – muss persönlich und fachlich geeignet sein.
Persönliche Eignung liegt vor, wenn keine Gründe dagegen sprechen (z. B. kein Berufsverbot, keine schwerwiegenden Verstöße gegen das Berufsbildungsgesetz).
Fachliche Eignung erfordert:
- Eine abgeschlossene Berufsausbildung im entsprechenden oder einem verwandten Beruf
- Ausreichende Berufserfahrung (in der Regel mindestens 1–2 Jahre als Geselle)
- Die Ausbildereignungsprüfung (AEVO) – auch bekannt als „Ausbilderschein" oder „AdA-Schein"
3. Die Ausbildereignungsprüfung (AEVO / AdA-Schein)
Die AEVO-Prüfung ist Pflicht für jeden, der Azubis ausbilden will. Sie besteht aus:
- Schriftlicher Teil: Multiple-Choice-Prüfung zu Themen wie Ausbildungsplanung, Lernmethoden, Beurteilung und Rechtsgrundlagen
- Praktischer Teil: Durchführung einer Ausbildungssituation (Unterweisung) oder Präsentation eines Ausbildungskonzepts mit Fachgespräch
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Dauer des Vorbereitungskurses | Ca. 1–2 Wochen Vollzeit oder 4–6 Wochen berufsbegleitend |
| Kosten | Ca. 500–900 € (Kurs + Prüfungsgebühr) |
| Prüfungsgebühr (HWK) | Ca. 170–250 € (je nach Kammer) |
| Anbieter | Handwerkskammer, IHK, private Bildungsträger |
| Gültigkeit | Unbefristet – einmal bestanden, immer gültig |
Ausnahme: Handwerksmeister sind von der AEVO-Prüfung befreit – die Ausbildereignung ist Teil der Meisterprüfung. Wenn du den Meisterbrief hast, darfst du direkt ausbilden.
Tipp: Einige Handwerkskammern – etwa in Berlin, Düsseldorf oder Stuttgart – bieten die AEVO-Vorbereitung auch als Abendkurs oder Online-Kurs an. So kannst du den Schein machen, ohne deinen Betrieb wochenlang allein zu lassen.
Der Ausbildungsvertrag: Was reingehört
Bevor der Azubi anfängt, muss ein schriftlicher Ausbildungsvertrag geschlossen werden. Er wird bei der Handwerkskammer registriert.
Pflichtinhalte des Ausbildungsvertrags
- Art, sachliche und zeitliche Gliederung der Berufsausbildung
- Beginn und Dauer der Ausbildung
- Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte (z. B. überbetriebliche Lehrlingsunterweisung)
- Dauer der regelmäßigen täglichen Ausbildungszeit
- Dauer der Probezeit (mindestens 1, maximal 4 Monate)
- Zahlung und Höhe der Vergütung
- Dauer des Urlaubs
- Voraussetzungen für die Kündigung
- Hinweis auf anwendbare Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen
Die Handwerkskammer stellt in der Regel Musterverträge zur Verfügung. Nutze diese – sie sind rechtssicher und werden bei der Registrierung schneller genehmigt.
Ausbildungsvergütung nach Gewerk: Was Azubis verdienen
Die Vergütung ist tariflich geregelt oder orientiert sich an Empfehlungen der Handwerkskammern. Seit 2020 gibt es außerdem eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG.
Mindestausbildungsvergütung 2026 (Orientierungswerte)
- 1. Ausbildungsjahr: ca. 682 € (gesetzliches Minimum, jährlich angepasst)
- 2. Ausbildungsjahr: +18 %
- 3. Ausbildungsjahr: +35 %
- 4. Ausbildungsjahr: +40 %
Achtung: Viele Tarifverträge liegen deutlich über dem gesetzlichen Minimum. Wenn ein Tarifvertrag gilt, hat er Vorrang.
Typische Ausbildungsvergütung nach Gewerk (Durchschnittswerte)
| Gewerk | 1. Jahr | 2. Jahr | 3. Jahr | 4. Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Elektroniker | 800–920 € | 850–970 € | 900–1.060 € | 950–1.120 € |
| Anlagenmechaniker SHK | 800–900 € | 850–950 € | 900–1.050 € | – |
| Maler und Lackierer | 740–830 € | 790–900 € | 940–1.020 € | – |
| Dachdecker | 820–900 € | 1.000–1.050 € | 1.200–1.260 € | – |
| Tischler | 700–830 € | 780–910 € | 880–1.000 € | – |
| Zimmerer | 820–900 € | 1.000–1.050 € | 1.200–1.260 € | – |
| Metallbauer | 750–870 € | 800–920 € | 880–1.010 € | 920–1.060 € |
| Fliesen-, Platten- und Mosaikleger | 800–870 € | 1.000–1.050 € | 1.200–1.260 € | – |
| Mechatroniker für Kältetechnik | 800–920 € | 850–970 € | 900–1.060 € | 950–1.120 € |
| Gärtner (GaLaBau) | 750–860 € | 800–960 € | 860–1.060 € | – |
Hinweis: Die Werte variieren nach Region und Tarifgebiet. In Bayern und Baden-Württemberg liegen die Vergütungen tendenziell höher als in den östlichen Bundesländern. Aktuelle Zahlen findest du bei deiner Handwerkskammer oder Innung.
Ausbildungsplan erstellen: Struktur für 3 Jahre
Jeder Ausbildungsberuf hat einen Ausbildungsrahmenplan, der vorschreibt, welche Fertigkeiten und Kenntnisse in welchem Zeitraum vermittelt werden müssen. Daraus erstellst du den betrieblichen Ausbildungsplan – angepasst an deinen Betrieb.
So erstellst du den Plan
- Ausbildungsrahmenplan besorgen: Gibt es bei der Handwerkskammer oder beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
- Betriebliche Gegebenheiten prüfen: Welche Ausbildungsinhalte kannst du selbst vermitteln? Wo brauchst du Verbundpartner oder überbetriebliche Lehrgänge?
- Zeitliche Gliederung: Welche Inhalte wann? Einfaches zuerst, Komplexes später. Berufsschulblöcke berücksichtigen
- Verantwortlichkeiten festlegen: Wer vermittelt was? In größeren Betrieben können verschiedene Gesellen unterschiedliche Bereiche übernehmen
- Überbetriebliche Ausbildung einplanen: In vielen Handwerksberufen sind überbetriebliche Lehrgänge (ÜLU) Pflicht – z. B. Schweißkurse für Metallbauer oder Schaltschrankbau für Elektroniker
Tipp: Rotation einbauen
Lass den Azubi verschiedene Bereiche durchlaufen. Ein Azubi im SHK-Bereich sollte nicht drei Jahre lang nur Heizkörper montieren. Rotation sorgt für breite Kompetenz und hält die Motivation hoch.
Berichtsheft: Pflicht und Praxis
Das Berichtsheft (auch Ausbildungsnachweis) ist Zulassungsvoraussetzung für die Gesellenprüfung. Ohne vollständiges Berichtsheft keine Prüfung – so einfach ist das.
Was reingehört
- Tägliche oder wöchentliche Beschreibung der Ausbildungstätigkeiten
- Berufsschulunterricht (Themen und Inhalte)
- Überbetriebliche Lehrgänge
- Unterschrift des Azubis und des Ausbilders (regelmäßig, z. B. wöchentlich)
Häufiges Problem
Das Berichtsheft wird geschoben, vergessen und dann kurz vor der Prüfung panisch nachgeschrieben. Das fällt auf – und kann Probleme machen. Baue die Kontrolle des Berichtshefts in deine wöchentliche Routine ein: Freitagmittag, 15 Minuten, Azubi zeigt das Berichtsheft, du unterschreibst.
Digital: Immer mehr Kammern akzeptieren digitale Berichtshefte. Apps wie „BLok" oder die Plattformen der Handwerkskammern machen es einfacher – für dich und den Azubi.
Rechte und Pflichten: Was du als Ausbildungsbetrieb musst
Deine Pflichten als Ausbilder
- Ausbildungsziel sicherstellen: Du musst dafür sorgen, dass der Azubi alle Ausbildungsinhalte vermittelt bekommt
- Freistellung für Berufsschule: Der Azubi hat Anspruch auf Berufsschulunterricht – du musst ihn freistellen und die Zeit als Arbeitszeit anrechnen
- Ausbildungsmittel bereitstellen: Werkzeug, Materialien und Arbeitskleidung – je nach Tarifvertrag. In vielen Gewerken muss der Betrieb die Arbeitskleidung stellen
- Berichtsheft kontrollieren: Regelmäßig prüfen und unterschreiben
- Jugendarbeitsschutz beachten: Für minderjährige Azubis gelten besondere Regeln (max. 8 Stunden/Tag, 40 Stunden/Woche, keine Arbeit an Samstagen und Sonntagen – mit Ausnahmen für bestimmte Branchen)
- Fürsorgepflicht: Du bist verantwortlich für die Arbeitssicherheit und den Schutz des Azubis
- Zeugnis ausstellen: Am Ende der Ausbildung ein qualifiziertes Arbeitszeugnis
Rechte des Azubis
- Angemessene Vergütung (mindestens gesetzliches Minimum)
- Freistellung für Berufsschule und Prüfungen
- Urlaub (je nach Alter: 25–30 Werktage für Minderjährige, mindestens 24 Werktage für Volljährige)
- Keine ausbildungsfremden Tätigkeiten (der Azubi ist nicht dein Laufbursche)
- Kündigung in der Probezeit ohne Angabe von Gründen
Deine Rechte als Ausbilder
- Weisungsrecht in Bezug auf die Ausbildung
- Kündigung in der Probezeit ohne Angabe von Gründen
- Nach der Probezeit: Kündigung nur aus wichtigem Grund (z. B. wiederholtes unentschuldigtes Fehlen)
- Anspruch auf ordentliche Mitarbeit des Azubis
Azubi-Recruiting: Wo findest du Nachwuchs?
Das Finden von Azubis ist für viele Handwerksbetriebe die größte Herausforderung. Die Zeiten, in denen sich Bewerber die Klinke in die Hand gaben, sind vorbei. Du musst aktiv werben – und dort präsent sein, wo junge Leute suchen.
Die besten Kanäle für Azubi-Recruiting
| Kanal | Reichweite | Kosten | Effektivität |
|---|---|---|---|
| Lehrstellenbörse der HWK | Regional | Kostenlos | Hoch – Zielgruppe sucht aktiv |
| Arbeitsagentur (Berufsberatung) | Regional | Kostenlos | Mittel – Berater empfehlen Betriebe |
| Instagram / TikTok | Überregional | Gering-Mittel | Hoch – wenn Inhalte authentisch sind |
| Schulkooperationen | Lokal | Zeitaufwand | Sehr hoch – direkter Kontakt |
| Praktika anbieten | Lokal | Gering | Sehr hoch – Probieren geht über Studieren |
| Eigene Website | Regional | Gering | Mittel – mit Karriereseite und Fotos |
| Ausbildungsmessen | Regional | Mittel (Standgebühr) | Hoch – persönlicher Kontakt |
| Social Media Ads | Regional steuerbar | Mittel | Hoch – gezielte Ansprache nach Alter und Region |
| Empfehlungen (eigene Mitarbeiter) | Lokal | Prämie | Sehr hoch – Vertrauensbasis |
Praxistipps fürs Recruiting
- Praktika anbieten: Ein Schülerpraktikum ist der beste Weg, um potenzielle Azubis zu finden. Wer bei dir eine Woche schnuppert und sich wohlfühlt, bewirbt sich eher
- Social Media nutzen: Zeig den Arbeitsalltag auf Instagram oder TikTok. Authentisch, nicht perfekt. Ein kurzes Video von der Baustelle in Köln wirkt besser als ein Hochglanz-Flyer
- Eltern ansprechen: Die Entscheidung für oder gegen eine Ausbildung treffen oft die Eltern mit. Biete Tag-der-offenen-Tür an oder lade Eltern ein, sich deinen Betrieb anzusehen
- Schnell reagieren: Wenn sich jemand bewirbt, antworte innerhalb von 24–48 Stunden. Wer zwei Wochen auf eine Antwort wartet, ist längst woanders
Generation Z verstehen: Was junge Leute vom Ausbildungsbetrieb erwarten
Die Generation Z (geboren ab ca. 1997) tickt anders als die Generationen davor. Wenn du Azubis findest und hältst willst, musst du ihre Erwartungen verstehen.
Was Gen Z wichtig ist
- Work-Life-Balance: Überstunden sind kein Qualitätsmerkmal. Junge Leute wollen pünktlich Feierabend und ihre Freizeit genießen
- Sinnvolle Arbeit: „Das haben wir immer schon so gemacht" ist kein Argument. Erkläre, warum etwas so gemacht wird
- Wertschätzung: Lob und Feedback – nicht nur Kritik. Ein „Das hast du gut gemacht" kostet nichts und wirkt Wunder
- Digitale Kommunikation: WhatsApp statt Festnetz, digitales Berichtsheft statt Papier. Sei offen für digitale Tools
- Perspektive: Wo kann die Reise hingehen? Meister, Weiterbildung, Betriebsübernahme? Junge Leute wollen wissen, ob sich die Ausbildung langfristig lohnt
- Gutes Betriebsklima: Rauer Umgangston und Sprüche auf Kosten des Azubis sind out. Respektvoller Umgang ist Grundvoraussetzung
Was Gen Z nicht abschreckt (aber viele Handwerker denken)
- Körperliche Arbeit – wenn sie sinnvoll ist und die Arbeitsbedingungen stimmen
- Früh aufstehen – wenn der Feierabend auch früh ist
- Verantwortung – wenn sie Schritt für Schritt wächst
Häufige Konflikte in der Ausbildung – und wie du sie löst
Konflikte zwischen Ausbilder und Azubi sind normal. Entscheidend ist, wie du damit umgehst.
Problem 1: Der Azubi hat keine Motivation
Ursache: Oft Unterforderung oder Überforderung. Oder der Azubi wird nur für „Hilfsarbeiten" eingesetzt und lernt nichts.
Lösung: Gespräch suchen. Frag, was dem Azubi Spaß macht und was nicht. Schaffe Abwechslung, gib Verantwortung. Ein Azubi, der zum ersten Mal eine eigene kleine Aufgabe selbständig löst, blüht oft auf.
Problem 2: Der Azubi fehlt häufig
Ursache: Kann vieles sein – Probleme in der Berufsschule, private Schwierigkeiten, fehlende Identifikation mit dem Beruf.
Lösung: Frühzeitig ansprechen, nicht eskalieren lassen. Bei minderjährigen Azubis die Eltern einbeziehen. Bei Bedarf den Ausbildungsberater der Handwerkskammer hinzuziehen – die kennen solche Situationen und können vermitteln.
Problem 3: Generationenkonflikt
Ursache: Der Meister erwartet „Lehrjahre sind keine Herrenjahre", der Azubi erwartet Respekt auf Augenhöhe.
Lösung: Beides hat seine Berechtigung. Klar machen, dass Respekt keine Einbahnstraße ist. Der Azubi muss lernen, zuzuhören und Anweisungen zu befolgen. Der Ausbilder muss lernen, Dinge zu erklären statt nur anzuordnen.
Problem 4: Leistung in der Berufsschule zu schlecht
Lösung: Nachhilfe anbieten, Berichtsheft nutzen, um Theorie und Praxis zu verknüpfen. Manche Kammern bieten ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) über die Arbeitsagentur an – kostenlos für Betrieb und Azubi.
Übernahme nach der Ausbildung: So hältst du gute Leute
Du hast drei Jahre investiert, der Azubi hat die Gesellenprüfung bestanden – und jetzt geht er woanders hin? Das passiert leider oft. So verhinderst du es:
Früh Perspektiven aufzeigen
- Schon im zweiten Lehrjahr über Übernahme sprechen
- Konkrete Angebote machen: Gehalt nach der Ausbildung, Verantwortungsbereiche, Weiterbildungsmöglichkeiten
- Meister-Förderung anbieten: „Wenn du bleibst, unterstützen wir deinen Meister finanziell"
Gute Bedingungen schaffen
- Faire Vergütung nach der Ausbildung – nicht Mindestlohn, sondern marktgerecht
- Gutes Arbeitsklima – das ist laut Umfragen der wichtigste Faktor
- Verantwortung übertragen – fertige Gesellen wollen zeigen, was sie können
- Langfristige Perspektive: Betriebsnachfolge als Option thematisieren
Betriebe in Bremen, Dortmund, im Schwarzwald oder im Münsterland, die ihre Azubis gut behandeln und frühzeitig Perspektiven bieten, haben Übernahmequoten von 80 % und mehr.
Fördermöglichkeiten für Ausbildungsbetriebe
Ausbildung wird staatlich gefördert – nutze die Möglichkeiten:
Wichtige Förderprogramme
- Ausbildungsprämie: In einigen Bundesländern gibt es Prämien für Betriebe, die neu ausbilden oder zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen
- Einstiegsqualifizierung (EQ): Ein 6–12-monatiges Langzeitpraktikum für Jugendliche, die noch keinen Ausbildungsplatz haben. Die Arbeitsagentur übernimmt Vergütung und Sozialversicherung
- Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH): Kostenlose Nachhilfe für Azubis mit schulischen Schwierigkeiten – über die Arbeitsagentur
- Assistierte Ausbildung (AsA): Intensive Begleitung für Azubis und Betriebe bei Problemen während der Ausbildung
- Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU): Wird oft von Bund und Ländern bezuschusst – die Kosten für den Betrieb sinken
- Zuschüsse der Handwerkskammer: Manche Kammern bieten eigene Förderprogramme für Ausbildungsbetriebe
Frag bei deiner Handwerkskammer und der örtlichen Arbeitsagentur nach aktuellen Fördermöglichkeiten – das Angebot ändert sich regelmäßig.
Erreichbarkeit als Ausbildungsbetrieb: Bewerber nicht verlieren
Ein unterschätztes Problem: Ein potenzieller Azubi – oder dessen Eltern – ruft an, um nach einem Praktikum oder Ausbildungsplatz zu fragen. Und niemand geht ran. Du bist auf der Baustelle in Kassel, der Geselle beim Kunden in Fulda, und das Büro ist nicht besetzt.
Das kostet dich Bewerber. Junge Leute rufen nicht zweimal an – sie gehen einfach zum nächsten Betrieb, der erreichbar ist. Mit einem KI-Telefonassistenten verpasst du keinen Anruf, auch nicht den eines Bewerbers.
Agentino-Tipp: Erreichbar sein – für Kunden und Bewerber
Als Ausbildungsbetrieb bist du doppelt gefordert: Du brauchst Kunden für Aufträge und Bewerber für Nachwuchs. Beides scheitert oft an der fehlenden Erreichbarkeit.
Agentino nimmt deine Anrufe an – ob vom Kunden, der eine Heizungswartung braucht, oder vom Schüler, der nach einem Praktikum fragt. Für 59 € im Monat hast du einen Telefonassistenten, der rund um die Uhr erreichbar ist. So verlierst du weder Aufträge noch Azubi-Bewerber, während du als Dachdecker auf dem Dach in Rostock stehst oder als Tischler in der Werkstatt in Augsburg hobelst.
Fazit: Ausbilden lohnt sich – wenn du es richtig machst
Einen Azubi auszubilden ist eine Investition – in Zeit, Geld und Nerven. Aber es ist die nachhaltigste Investition in die Zukunft deines Betriebs. Du formst einen Facharbeiter, der deinen Betrieb, deine Kunden und deine Arbeitsweise kennt. Das kann kein extern eingestellter Geselle ersetzen.
Die Voraussetzungen sind machbar: Ausbilderschein, Ausbildungsplan, Vertrag bei der Kammer registrieren. Das Recruiting erfordert Eigeninitiative – aber die Kanäle sind da. Und die Fördermöglichkeiten machen es auch finanziell attraktiv.
Fang an. Dein zukünftiger Geselle wartet vielleicht gerade auf genau deinen Ausbildungsplatz – in Leipzig, in Freiburg, in Lübeck oder in deiner Nachbarschaft.
Themen
Häufig gestellte Fragen
Welche Voraussetzungen brauche ich, um als Handwerksbetrieb auszubilden?
Du brauchst die betriebliche Eignung (Ausstattung, Auftragsvolumen), die persönliche Eignung und die fachliche Eignung inkl. Ausbildereignungsprüfung (AEVO). Handwerksmeister sind von der AEVO befreit. Die Handwerkskammer prüft die Eignung.
Was kostet die Ausbildereignungsprüfung (AEVO)?
Der Vorbereitungskurs kostet ca. 500–900 € (1–2 Wochen Vollzeit oder 4–6 Wochen berufsbegleitend). Die Prüfungsgebühr bei der Handwerkskammer liegt bei ca. 170–250 €. Der Schein ist unbefristet gültig.
Wie viel verdient ein Azubi im Handwerk?
Die Vergütung variiert nach Gewerk und Region. Im ersten Lehrjahr liegt sie typischerweise zwischen 700 und 920 €. Es gibt eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung (ca. 682 € im 1. Jahr 2026), Tarifverträge liegen oft deutlich darüber.
Wo finde ich Azubis für meinen Handwerksbetrieb?
Die besten Kanäle: Lehrstellenbörse der Handwerkskammer, Praktika anbieten, Schulkooperationen, Instagram/TikTok für authentische Einblicke, Ausbildungsmessen und Empfehlungen durch eigene Mitarbeiter. Schnelle Reaktion auf Bewerbungen ist entscheidend.
Was tun bei Konflikten mit dem Azubi?
Frühzeitig das Gespräch suchen. Bei Motivationsproblemen: Abwechslung und Verantwortung bieten. Bei häufigem Fehlen: Ursachen klären, ggf. Eltern einbeziehen. Der Ausbildungsberater der Handwerkskammer kann als neutraler Vermittler helfen.
Welche Fördermöglichkeiten gibt es für Ausbildungsbetriebe?
Einstiegsqualifizierung (EQ), ausbildungsbegleitende Hilfen (abH), Assistierte Ausbildung (AsA), Zuschüsse zur überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung und landesspezifische Ausbildungsprämien. Frag bei Handwerkskammer und Arbeitsagentur nach aktuellen Programmen.
Hast du Fragen?
Wir beraten dich gerne persönlich zu deinen Anforderungen.