Praxistipps

Reklamationen im Handwerk: Richtig reagieren und Kunden halten

Agentino Team

12 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Reklamationsquote im Handwerk liegt bei 5–15 % aller Aufträge
  • 5-Schritte-Methode: Zuhören, dokumentieren, Vor-Ort-Termin, Lösung anbieten, nachfassen
  • Gewährleistung bei Bauwerken beträgt 5 Jahre (BGB) bzw. 4 Jahre (VOB/B)
  • Lückenlose Foto-Dokumentation reduziert Diskussionen um bis zu 80 %
  • Gut gelöste Reklamationen erzeugen höhere Kundenloyalität als fehlerfreie Aufträge
  • Erreichbarkeit bei Reklamationsanrufen ist entscheidend für erfolgreiche Deeskalation

Warum Reklamationen im Handwerk unvermeidbar sind

Kein Handwerksbetrieb bleibt von Reklamationen verschont. Ob du als Maler in München einen Farbton nicht exakt getroffen hast, als SHK-Betrieb in Hamburg eine Leitung tropft oder als Dachdecker in Köln eine undichte Stelle übersehen wurde – Reklamationen gehören zum Geschäft.

Laut Handwerkskammer-Erhebungen liegt die Reklamationsquote im Handwerk zwischen 5 und 15 Prozent aller abgeschlossenen Aufträge. Das klingt nach wenig, aber bei einem Betrieb mit 300 Aufträgen im Jahr sind das 15 bis 45 Fälle, die professionell gehandhabt werden müssen.

Entscheidend ist nicht, ob eine Reklamation kommt – sondern wie du darauf reagierst. Eine gut gelöste Beschwerde kann einen unzufriedenen Kunden in einen treuen Stammkunden verwandeln. Eine schlecht gelöste Reklamation hingegen kann deinen Ruf in der Region nachhaltig beschädigen – besonders in Zeiten von Google-Bewertungen und Social Media.

Die häufigsten Reklamationsgründe im Handwerk

Bevor du reagieren kannst, musst du die typischen Ursachen kennen. Die Handwerkskammern in Düsseldorf, Stuttgart und Berlin erfassen regelmäßig die häufigsten Beschwerdegründe:

ReklamationsgrundHäufigkeitBetroffene Gewerke
Mangelhafte Ausführung35 %Alle Gewerke
Terminverzögerungen25 %Alle Gewerke
Unerwartete Mehrkosten15 %Besonders Bau, Sanierung
Beschädigte Umgebung (Böden, Wände)10 %Maler, SHK, Elektriker
Unzureichende Kommunikation10 %Alle Gewerke
Falsche Materialien verwendet5 %Tischler, Stuckateure

Auffällig: Mehr als ein Drittel aller Reklamationen betrifft nicht die handwerkliche Leistung selbst, sondern Kommunikationsprobleme – Termine nicht eingehalten, Preise nicht klar kommuniziert, Erwartungen nicht abgeglichen.

Professionell reagieren: Die 5-Schritte-Methode

Wenn ein Kunde reklamiert, entscheidet deine Reaktion in den ersten Minuten über den weiteren Verlauf. Erfahrene Betriebe in der Region Rhein-Main, im Ruhrgebiet und in Süddeutschland setzen auf ein klares Schema:

Schritt 1: Zuhören und Ernst nehmen

Der häufigste Fehler bei Reklamationen: sofort in die Verteidigung gehen. Der Kunde ruft an, schildert sein Problem, und der erste Impuls ist: „Das kann nicht sein“ oder „Das war vorher schon so.“ Fataler Fehler.

Stattdessen: Zuhören. Wirklich zuhören. Den Kunden ausreden lassen. Verständnis zeigen. Ein einfaches „Ich verstehe, dass Sie das ärgert“ nimmt dem Gespräch sofort die Schärfe.

Gerade wenn du auf der Baustelle bist und nicht selbst ans Telefon gehen kannst, ist es entscheidend, dass der Anruf trotzdem professionell entgegengenommen wird. Ein KI-Telefonassistent wie Agentino erfasst das Anliegen vollständig und leitet es an dich weiter – so geht kein Reklamationsanruf ins Leere und der Kunde fühlt sich sofort gehört, statt auf die Mailbox zu sprechen.

Schritt 2: Sachverhalt dokumentieren

Nach dem Zuhören geht es an die Fakten:

  • Was genau reklamiert der Kunde?
  • Wann wurde die Leistung erbracht?
  • Wer hat die Arbeit ausgeführt?
  • Gibt es Fotos vom aktuellen Zustand?
  • Was sagt der Auftrag – was war vereinbart?

Dokumentiere alles schriftlich. Ein Elektrikerbetrieb in Nürnberg nutzt dafür ein einfaches Reklamationsformular: Datum, Kundendaten, Beschreibung, Fotos, vereinbarte Maßnahmen. Das schafft Klarheit und schützt dich rechtlich.

Schritt 3: Vor-Ort-Termin vereinbaren

Reklamationen lassen sich selten am Telefon lösen. Vereinbare zeitnah einen Vor-Ort-Termin – idealerweise innerhalb von 3 bis 5 Werktagen. Je schneller du reagierst, desto höher die Chance auf eine einvernehmliche Lösung.

Wichtig: Nimm dir für den Termin ausreichend Zeit. Hektik und ein schneller Blick auf den Mangel wirken respektlos. Dokumentiere beim Termin den Ist-Zustand mit Fotos und Notizen.

Schritt 4: Lösung anbieten

Nach der Begutachtung bietest du eine konkrete Lösung an:

  • Nachbesserung: In den meisten Fällen die beste Option. Du behebst den Mangel auf deine Kosten.
  • Preisnachlass: Wenn der Mangel geringfügig ist und der Kunde damit leben kann.
  • Neuausführung: Wenn die Nachbesserung unverhältnismäßig aufwändig wäre.
  • Kulanzleistung: Auch wenn du nicht verantwortlich bist, kann eine kleine Geste den Kunden halten.

Schritt 5: Nachfassen

Nach der Behebung: Ruf den Kunden an. Frag, ob alles zu seiner Zufriedenheit ist. Dieser eine Anruf kostet dich 3 Minuten und kann einen Kunden fürs Leben sichern. Betriebe, die nach einer Reklamation nachfassen, erreichen eine Kundenbindungsrate von über 90 Prozent bei betroffenen Kunden.

Gewährleistung vs. Garantie: Was musst du rechtlich wissen?

Viele Handwerker verwechseln Gewährleistung und Garantie. Der Unterschied ist rechtlich relevant und kann viel Geld kosten.

Gewährleistung (gesetzlich)

Die Gewährleistung ist im BGB geregelt und gilt automatisch für jeden Werkvertrag:

  • Dauer: 5 Jahre bei Bauwerken (§ 634a BGB), 2 Jahre bei sonstigen Werkleistungen
  • Bei VOB/B-Verträgen: 4 Jahre bei Bauwerken, 2 Jahre bei sonstigen Leistungen
  • Beweislast: Der Auftraggeber muss beweisen, dass der Mangel bei Abnahme vorhanden war (nach Abnahme)
  • Rechte des Kunden: Nacherfüllung, Selbstvornahme, Minderung, Rücktritt, Schadensersatz

Garantie (freiwillig)

Eine Garantie ist eine freiwillige Zusatzleistung des Handwerkers oder Herstellers:

  • Umfang und Dauer werden individuell festgelegt
  • Geht über die gesetzliche Gewährleistung hinaus
  • Kann als Verkaufsargument genutzt werden
  • Beispiel: Ein Dachdeckerbetrieb in Dresden gibt 10 Jahre Garantie auf die Dichtigkeit

Verjährungsfristen im Überblick

LeistungsartGewährleistung BGBGewährleistung VOB/B
Arbeiten am Bauwerk5 Jahre4 Jahre
Planungsleistungen5 Jahre4 Jahre
Sonstige Werkleistungen2 Jahre2 Jahre
Maschinelle Anlagen2 Jahre2 Jahre

Für Heizungsbauer in Bayern, Elektriker in Sachsen und Klimatechniker in Nordrhein-Westfalen gilt gleichermaßen: Wer die Fristen kennt und sauber dokumentiert, schützt sich vor ungerechtfertigten Forderungen.

Dokumentation als Schutzschild

Die beste Verteidigung gegen ungerechtfertigte Reklamationen ist eine lückenlose Dokumentation. Erfahrene Meisterbetriebe dokumentieren von Anfang an:

Vor der Arbeit

  • Fotos vom Ausgangszustand: Bevor du anfängst, fotografiere den Bereich. Besonders wichtig bei Malerarbeiten, Trockenbau und Sanierungen.
  • Auftragsbestätigung: Was wurde genau beauftragt? Welche Materialien, welche Qualität? Je detaillierter das Angebot, desto weniger Spielraum für Missverständnisse.
  • Hinweispflicht: Wenn du Bedenken hast (schlechter Untergrund, falsches Material vom Kunden), musst du schriftlich darauf hinweisen. Tust du das nicht, haftest du mit.

Während der Arbeit

  • Tagesberichte: Was wurde gemacht? Welche Besonderheiten gab es?
  • Bautagebuch: Bei größeren Projekten unverzichtbar
  • Zwischenfotos: Verdeckte Arbeiten unbedingt vor dem Verkleiden fotografieren (Rohre, Kabel, Dämmung)
  • Materiallieferscheine: Aufbewahren als Nachweis

Nach der Arbeit

  • Abnahmeprotokoll: Lass den Kunden die Arbeit formal abnehmen. Das setzt die Gewährleistungsfrist in Gang und verschiebt die Beweislast.
  • Fertigstellungsfotos: Dokumentiere das Endergebnis
  • Pflegehinweise: Gib dem Kunden schriftliche Hinweise zur Pflege und Wartung

Ein Tischlereibetrieb in Braunschweig spart sich seit Einführung einer konsequenten Foto-Dokumentation rund 80 Prozent der Diskussionen bei Reklamationen. Die Investition: 5 Minuten Fotos pro Auftrag.

Eskalation vermeiden: Deeskalation in schwierigen Gesprächen

Nicht jeder Kunde bleibt sachlich. Manche sind emotional, manche aggressiv, manche versuchen zu übervorteilen. So bleibst du professionell:

Goldene Regeln der Deeskalation

  • Nie persönlich nehmen: Der Kunde ist sauer auf die Situation, nicht auf dich als Person
  • Stimme senken: Wenn der andere lauter wird, wirst du leiser. Das erzwingt Aufmerksamkeit.
  • Verständnis zeigen: „Ich kann verstehen, dass Sie das frustriert“ – auch wenn du anderer Meinung bist
  • Lösungsorientiert bleiben: Statt Schuldfragen: „Was können wir tun, damit Sie zufrieden sind?“
  • Pause einlegen: Wenn das Gespräch eskaliert – „Ich schlage vor, wir sprechen morgen nochmal in Ruhe darüber“

Wann du hart bleiben musst

Deeskalation heißt nicht Unterwerfung. Es gibt Situationen, in denen du klar Grenzen setzen musst:

  • Ungerechtfertigte Forderungen: Wenn der Kunde Leistungen reklamiert, die nicht beauftragt waren
  • Beleidigungen: Sachlich bleiben, aber Beleidigungen nicht akzeptieren
  • Zahlungsverweigerung: Reklamation berechtigt nicht automatisch zur kompletten Zahlungsverweigerung
  • Erpressungsversuche: „Wenn Sie nicht sofort kommen, schreibe ich eine schlechte Google-Bewertung“

In solchen Fällen hilft ein schriftlicher Austausch. Per E-Mail oder Brief lässt sich alles dokumentieren und die Emotionalität wird herausgenommen.

Reklamation als Chance: Kundenbindung statt Kundenverlust

Studien zeigen ein faszinierendes Phänomen: Kunden, deren Reklamation gut gelöst wurde, sind danach loyaler als Kunden, die nie ein Problem hatten. Das nennt sich das Service-Recovery-Paradox.

Warum? Weil der Kunde erlebt hat, wie du in einer schwierigen Situation agierst. Und wenn du fair, schnell und kompetent reagierst, schafft das Vertrauen auf einem ganz anderen Level.

So nutzt du Reklamationen als Chance

  • Schnelligkeit: Je schneller du reagierst, desto stärker der positive Effekt. Ein Schlüsseldienst in Frankfurt, der innerhalb von 2 Stunden zurückruft, hinterlässt einen völlig anderen Eindruck als einer, der sich 3 Tage Zeit lässt.
  • Großzügigkeit: Geh einen Schritt weiter als nötig. Kleine Extras kosten wenig, bleiben aber in Erinnerung.
  • Transparenz: Erkläre, warum das Problem entstanden ist und was du tust, damit es nicht wieder passiert.
  • Nachfassen: Ruf nach einer Woche nochmal an. Dieser Anruf bleibt hängen.

Erreichbarkeit spielt hier eine zentrale Rolle. Wenn ein Kunde mit einer Reklamation anruft und niemanden erreicht, steigert das die Frustration enorm. Betriebe, die ihre Erreichbarkeit verbessern, etwa mit einem KI-Telefonassistenten von Agentino, stellen sicher, dass kein Reklamationsanruf unbeantwortet bleibt – auch wenn gerade alle Mitarbeiter auf der Baustelle sind.

Rechtliche Grundlagen: Was der Kunde verlangen kann – und was nicht

Nicht jede Reklamation ist berechtigt. Und nicht jede berechtigte Reklamation berechtigt zu jeder Forderung. Hier die wichtigsten rechtlichen Grundlagen:

Nacherfüllungsanspruch

Der Kunde hat zunächst nur Anspruch auf Nacherfüllung (§ 635 BGB). Das bedeutet: Du darfst den Mangel selbst beheben – mindestens zwei Mal. Erst wenn die Nachbesserung fehlschlägt, kann der Kunde weitergehende Rechte geltend machen.

Angemessene Fristsetzung

Der Kunde muss dir eine angemessene Frist zur Nachbesserung setzen. Was „angemessen“ ist, hängt vom Einzelfall ab – bei einem tropfenden Rohr sind 2–3 Tage angemessen, bei einer Fassadenrenovierung können es 2–4 Wochen sein.

Selbstvornahme

Lässt du die Frist verstreichen, darf der Kunde einen anderen Handwerker beauftragen und dir die Kosten in Rechnung stellen. Das wird schnell teuer, denn du hast keinen Einfluss auf die Kosten des Dritthandwerkers.

Minderung und Rücktritt

Statt Nachbesserung kann der Kunde auch den Werklohn mindern oder bei erheblichen Mängeln vom Vertrag zurücktreten. Das ist allerdings nur möglich, wenn die Nachbesserung gescheitert oder unzumutbar ist.

Schadensersatz

Bei schuldhafter Pflichtverletzung kann der Kunde Schadensersatz verlangen – etwa für Folgeschäden durch einen Wasserschaden. Hier wird die Betriebshaftpflichtversicherung wichtig.

Prävention: Reklamationen von vornherein vermeiden

Die beste Reklamation ist die, die gar nicht erst entsteht. Vorbeugende Maßnahmen sparen Zeit, Geld und Nerven:

Klare Kommunikation vor dem Auftrag

  • Detailliertes Angebot: Je genauer das Angebot, desto weniger Missverständnisse. Material, Qualität, Umfang, Ausführungszeit – alles schriftlich.
  • Erwartungsmanagement: Erkläre dem Kunden realistisch, was möglich ist und was nicht. Ein Landschaftsgärtner in Potsdam, der seinen Kunden vorab erklärt, dass Naturstein im Winter Frostschäden zeigen kann, erspart sich jede dritte Reklamation.
  • Preistransparenz: Wer Preise richtig kommuniziert, vermeidet den häufigsten Streitpunkt überhaupt.

Qualitätssicherung während der Arbeit

  • Zwischenabnahmen: Bei größeren Projekten: Zeige dem Kunden Zwischenergebnisse und hole sein OK ein
  • Vier-Augen-Prinzip: Ein zweiter Blick auf die fertige Arbeit fängt Fehler ab
  • Checklisten: Standardisierte Prüflisten für wiederkehrende Arbeiten
  • Materialprüfung: Richtiges Material, richtige Charge, richtige Menge

Mitarbeiterschulung

In vielen Betrieben führen Gesellen und Auszubildende die Arbeiten aus. Investiere in ihre Schulung – nicht nur handwerklich, sondern auch in Kundenkommunikation. Ein Zimmereibetrieb in der Bodensee-Region schult seine Gesellen einmal im Jahr im Umgang mit schwierigen Kunden. Die Reklamationsquote ist seitdem um 40 Prozent gesunken.

Sonderfall: Online-Bewertungen und Reklamationen

In Zeiten von Google Maps, MyHammer und anderen Plattformen hat eine Reklamation plötzlich öffentliches Gewicht. Eine einzige schlechte Bewertung kann Dutzende potenzielle Kunden abschrecken – besonders in lokalen Märkten wie Mannheim, Leipzig oder Bremen.

So gehst du mit negativen Bewertungen um

  • Schnell reagieren: Antworte innerhalb von 24 Stunden
  • Sachlich bleiben: Keine emotionalen oder aggressiven Antworten
  • Kontakt anbieten: „Bitte kontaktieren Sie uns direkt, damit wir das klären können“
  • Lösung dokumentieren: Wenn das Problem gelöst wurde, bitte den Kunden, die Bewertung zu aktualisieren
  • Positive Bewertungen sammeln: Je mehr positive Bewertungen, desto weniger Gewicht hat eine negative

Gerade die telefonische Erreichbarkeit kann hier den Unterschied machen. Ein Kunde, der nach einer schlechten Erfahrung anruft und sofort jemanden erreicht, greift seltener zur öffentlichen Bewertung als einer, der auf die Mailbox spricht. Lösungen wie Agentino sorgen dafür, dass Reklamationsanrufe immer professionell entgegengenommen werden – 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.

Reklamationsmanagement in der Praxis: Beispiele aus dem Handwerk

Beispiel 1: Malerarbeiten in Stuttgart

Ein Malerbetrieb erhält eine Reklamation: Der Farbton im Wohnzimmer weicht vom Muster ab. Der Chef fährt noch am selben Tag hin, begutachtet die Situation, stellt fest, dass tatsächlich eine falsche Charge verwendet wurde. Er streicht das Zimmer am Wochenende kostenlos neu – und bringt als Entschuldigung eine Flasche Wein mit. Ergebnis: Der Kunde empfiehlt den Betrieb drei Mal weiter.

Beispiel 2: Heizungsbau in Hannover

Ein Heizungsbauer wird reklamiert: Die neue Heizung macht Geräusche. Vor Ort stellt sich heraus, dass der Kunde den Thermostat falsch eingestellt hat – kein Mangel. Statt den Kunden bloßzustellen, erklärt der Monteur geduldig die Bedienung, gibt Tipps zur optimalen Einstellung und lässt eine geschriebene Anleitung da. Der Kunde ist dankbar statt beschämt.

Beispiel 3: Elektroinstallation in Berlin

Ein Elektrikerbetrieb erhält eine Reklamation per Google-Bewertung: Eine Steckdose funktioniert nach 2 Monaten nicht mehr. Der Betrieb antwortet öffentlich, bietet einen kostenlosen Vor-Ort-Termin an und behebt das Problem innerhalb von 3 Tagen. Der Kunde ändert seine Bewertung von 1 auf 5 Sterne.

Interne Prozesse für das Reklamationsmanagement

Für Betriebe mit mehreren Mitarbeitern ist ein systematischer Reklamationsprozess wichtig:

  1. Eingangserfassung: Jede Reklamation wird erfasst – egal ob telefonisch, per Mail oder persönlich
  2. Verantwortlichkeit: Wer kümmert sich? Ein fester Ansprechpartner für den Kunden
  3. Fristenüberwachung: Wann muss reagiert werden? Wann läuft die Nachbesserungsfrist?
  4. Dokumentation: Alles wird schriftlich festgehalten
  5. Abschluss: War der Kunde zufrieden? Bewertung einholen
  6. Analyse: Was können wir besser machen? Häufen sich bestimmte Probleme?

Wer sein Auftragsmanagement im Griff hat, kann auch sein Reklamationsmanagement sauber aufsetzen. Beide Prozesse greifen ineinander.

Kosten von Reklamationen – und warum Prävention günstiger ist

KostenfaktorDurchschnittliche Kosten pro Reklamation
Arbeitszeit Nachbesserung200–800 €
Materialkosten50–500 €
Fahrkosten30–100 €
Administrativer Aufwand100–300 €
Reputationsverlust (geschätzt)1.000–5.000 €
Rechtsstreit (wenn es eskaliert)2.000–20.000 €

Eine einzelne eskalierte Reklamation kann einen kleinen Betrieb in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten bringen. Die Investition in Prävention – bessere Kommunikation, saubere Dokumentation, professionelle Erreichbarkeit – ist ein Bruchteil dieser Kosten.

Checkliste: Reklamationsmanagement für Handwerksbetriebe

  1. Vor dem Auftrag: Detailliertes Angebot, Erwartungsmanagement, schriftliche Bedenkenhinweise
  2. Während des Auftrags: Foto-Dokumentation, Zwischenabnahmen, Qualitätsprüfung
  3. Bei Reklamation: Zuhören, dokumentieren, Vor-Ort-Termin, Lösung anbieten, nachfassen
  4. Nach Behebung: Zufriedenheit prüfen, Bewertung erbitten, intern analysieren
  5. Erreichbarkeit: Sicherstellen, dass Reklamationsanrufe immer entgegengenommen werden
  6. Rechtlich: Fristen kennen, Abnahmeprotokolle nutzen, Versicherungsschutz prüfen

Fazit: Professioneller Umgang mit Reklamationen zahlt sich aus

Reklamationen im Handwerk sind kein Zeichen von schlechter Arbeit – sie sind Alltag. Entscheidend ist, wie du damit umgehst. Wer schnell reagiert, fair löst und sauber dokumentiert, verwandelt verärgerte Kunden in loyale Stammkunden.

Die Grundlagen sind einfach: Zuhören, ernst nehmen, schnell handeln, nachfassen. Und sicherstellen, dass du erreichbar bist, wenn der Kunde dich braucht – ob persönlich, über dein Büro oder über einen KI-Telefonassistenten, der keinen Anruf verpasst. Denn die teuerste Reklamation ist die, von der du zu spät erfährst.

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Themen

#Reklamationen #Kundenbindung #Gewährleistung #Handwerk #Qualitätsmanagement #Kundenkommunikation

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert die Gewährleistung im Handwerk?

Bei Arbeiten am Bauwerk beträgt die gesetzliche Gewährleistung nach BGB 5 Jahre, bei VOB/B-Verträgen 4 Jahre. Für sonstige Werkleistungen gilt eine Frist von 2 Jahren. Die Frist beginnt mit der Abnahme der Leistung.

Muss ich als Handwerker jede Reklamation akzeptieren?

Nein. Du hast das Recht, die Reklamation zu prüfen. Wenn kein Mangel vorliegt oder der Kunde den Schaden selbst verursacht hat, musst du nicht nachbessern. Wichtig ist, dies sachlich und mit Dokumentation zu belegen.

Wie schnell muss ich auf eine Reklamation reagieren?

Gesetzlich gibt es keine feste Frist für deine erste Reaktion. Empfehlenswert ist jedoch eine Rückmeldung innerhalb von 24–48 Stunden und ein Vor-Ort-Termin innerhalb von 3–5 Werktagen. Schnelles Reagieren vermeidet Eskalationen.

Was kostet eine durchschnittliche Reklamation im Handwerk?

Die direkten Kosten (Arbeitszeit, Material, Fahrt, Verwaltung) liegen typischerweise zwischen 380 und 1.700 Euro. Dazu kommen indirekte Kosten durch Reputationsverlust, die auf 1.000 bis 5.000 Euro geschätzt werden.

Kann ein Kunde bei einer Reklamation die Zahlung komplett verweigern?

Nein. Der Kunde darf bei einem Mangel einen angemessenen Teil des Werklohns einbehalten, aber nicht die gesamte Zahlung verweigern. Der einbehaltene Betrag muss in einem angemessenen Verhältnis zum Mangel stehen – in der Regel das Doppelte der geschätzten Nachbesserungskosten.

Wie gehe ich mit ungerechtfertigten negativen Google-Bewertungen um?

Antworte sachlich und professionell innerhalb von 24 Stunden. Biete eine direkte Kontaktaufnahme an. Bei nachweislich falschen Tatsachenbehauptungen kannst du die Löschung bei Google beantragen. Sammle aktiv positive Bewertungen, um einzelne negative auszugleichen.

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